Der Kirschenhain wurde im Frühling 2002 von der japanischen Künstlergruppe "to the woods" in Zusammenarbeit mit der Magistratsabteilung 49 der Stadt Wien gestaltet.
Die Kirschbäume sind ein Teil der 1000 japanischen Kirschbäume, die der Stadt Wien, anlässlich des 1000-Jahr Jubiläums von Österreich, als Geschenk übergeben wurden. Sie tragen jedes Jahr von Mitte bis Ende April karmesinrote Blüten. Dieser Kunstraum ist eine Neuinterpretation des traditionellen Japanischen Gartens.
JUBILÄUMSBÄUME
Anlässlich des 140-Jahr-Jubiläums der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Japan und Österreich wurden diese – Japanische Kirschbäume – am 23. April 2009 von Vertretern beider Länder gepflanzt.
TISCH DER FREUNDSCHAFT
Anlässlich 150 Jahre diplomatischer Beziehungen zwischen Japan und Österreich wurde dieses Symbol der Freundschaft im April 2019 von Vertretern beider Länder feierlich enthüllt.
Der Gedenkstein -Tisch der Freundschaft- im Kirschenhain besteht aus einem Tisch und fünf Sessel aus Wachauer Marmor mit Inschrifttafel und 15 umgebende Kirschbäume.
SESSEL DER FREUNDSCHAFT
Als Zeichen der Freundschaft zwischen den beiden Gemeinden Katsushika - Tokyo und Floridsdorf -Wien, wurde ein Sessel entsprechend der fünf Sessel des Gedenksteins --Tisch der Freundschaft--am Kirschenhain im Jahr 2019 von Österreich nach Japan geschickt. Der Sessel besteht ebenso wie seine fünf Gegenstücke aus Marmor aus der Wachau, einem typisch österreichischen Natursteinproduktionsgebiet. Der Sessel wurde im März 2020 in Katsushika zum Gedenken an 150 Jahre Freundschaft zwischen Japan und Österreich errichtet. Dieser "Versammlungsleiter" zeigt, dass die beiden Stationen durch eine tiefe Freundschaft verbunden sind.
Text von MAG. DR. ANDREAS SPIEGL
1980 haben Gilles Deleuze und Félix Guattari unter dem Titel Mille
plateaux (Tausend Plateaus) ein Buch publiziert, das sich mit Kapitalismus
und Schizophrenie auseinandersetzt. Dieses Buch widmet seine Einleitung
einer pflanzlichen Erscheinung, dem Rhizom. Charakteristisch für
das Rhizom ist seine Differenz zur Wurzel, die irgendwo einen bestimmbaren
Ausgangspunkt bildet, aus dem sich dann Nebenwurzeln und Stämme herausbilden.
In diesem Sinne steht die Wurzel für ein Bild der Abstammung und
Verzweigung und damit für eine hierarchische Struktur. Das Rhizom
dagegen kennt keine Haupt- und Nebenwurzeln, jeder Punkt kann zum Ausgangspunkt
für mannigfaltige Verbindungen werden. Paradox am Rhizom, an diesem
Wurzelbüschel, erscheint, dass in dem Moment, in dem jeder Punkt
eine Wurzel schlagen kann, von einer Wurzel und Abstammung im strengen
Sinne nicht mehr gesprochen werden kann. An die Stelle des einen Zentrums
treten nur mehr Zentren, die damit eigentlich keine Zentren mehr sind,
sondern Knoten und Verbindungen. Dieser Gedanke einer rhizomatischen Struktur
charakterisiert die Auseinandersetzung von Deleuze und Guattari mit Kapitalismus
und Schizophrenie, d.h. mit zwei kulturellen Erscheinungen, deren Verknüpfung
immer noch Aktualität besitzt. Nun stellt sich die Frage, warum wir
hier auf dieses Buch zu sprechen kommen? Der Grund liegt in einer kontingenten
Verbindung, in einer rhizomatischen Verknotung: An die Stelle der tausend
Plateaus sind tausend Kirschbäume getreten, die Japan als symbolisches
Geschenk für das 1000-jährige Bestehen Österreichs demselbigen
vermacht hat. Weiters wurden Masahiro und Fumiyo Moriguchi, zwei in Japan
geborene und in Wien lebende Künstler, eingeladen, einen Teil des
Geschenks, neben einer ebenfalls gepflanzten Allee auf der Donauinsel,
für eine künstlerische Abzweigung zu verwenden.
In diesem Sinne hat dieses Projekt auch mit tausend Plateaus und mit Wurzeln
zu tun.
Für Deleuze und Guattari bilden aber gerade der Baum und seine Verwurzelung
ein problematisches Modell für eine kulturelle Vorstellung von Abstammung.
Vor dem Hintergrund einer Gesellschaft, die einer Kommunikation über
die kulturellen Stammbäume hinweg das Wort redet, wird das Modell
des Baumes zum Problem. Solange ein Baum aus einer Kultur nur entwurzelt
wird, um als Zeichen seiner heterogenen Herkunft in den Kontext einer
anderen Kultur verpflanzt zu werden, bleibt dieser Baum ein Fremdkörper,
mit anderen Worten: Zeichen einer Diaspora. Das Kirschblütenfest
in Wien zu feiern, wäre bis dahin nur das Zitat einer Entfremdung.
Die Abzweigung der Moriguchis hat aber zwei Endpunkte: Kreuzt das eine
Ende die Allee, so trifft das andere auf ein Biotop, d.h. auf die Vorstellung
einer ortsspezifischen Natürlichkeit, die sich ihrerseits gegen fremde
und künstliche Einflüsse abzugrenzen sucht. Das Natürliche
wie das Künstliche sind aber Ausdruck eines Dualismus, der einer
Kommunikation und Annäherung grundsätzlich im Weg liegt. Diesem
Dualismus legen die Moriguchis ihrerseits Steine in den Weg,
platt formuliert: Steine des Anstoßes, die die Verbindung zwischen
den beiden Enden markieren. Die Tatsache, dass die Steine verankert
werden, ohne Wurzeln schlagen zu können, wiederholt in unserem Zusammenhang
nur den kulturellen Kontext, von dem eigentlich die Rede sein sollte und
dieser Kontext findet im Fluß und seiner grenzüberschreitenden
Bewegung sein deutlichstes Bild.
Seit der ersten Präsentation des Kirschenhain im Jahr 2002, wurde jedes Jahr ein Kirschenhainfest gefeiert. 2021 wird das 20-jährige Jubiläum des Kirschenhains. Das Kirschenhainfest ist eine Brücke zwischen Japan und Österreich. Jedes Jahr wachsen die Kirschenbäume und symbolisieren das Wachsen der geknüpften Freundschaften und Beziehungen. Die Idee entspricht dem für Japan typischen HANAMI, bei dem jedes Jahr im April unter den Bäumen verschiedenste Menschen zusammen kommen und gemeinsam essen und trinken. Besonders beim Kirschenhainfest wird der Austausch von Kindern japanischer und österreichischer Abstammung gefeiert. Eine besonderes spezielle Vorführung wird jedes Jahr anlässlich des Festes vorbereitet.
Text von MA 49 FORSTAMT DER STADT WIEN
Die Donauinsel wurde als Hochwasserschutzprojekt in den
Jahren 1975 bis 1988 errichtet. Auf einer Länge von
21 km wurde damit ein neues Erholungs- und Ausflugsgebiet
geschaffen.
Durch die ausgezeichnete Erreichbarkeit der Donauinsel mit
öffentlichen Verkehrsmitteln (U-Bahn) und das attraktive
Freizeitangebot ist die Donauinsel das beliebteste Ausflugsgebiet
der Stadt geworden. Da auf der Donauinsel das Autofahren
verboten ist, bieten sich die gut ausgebauten Wege das ganze
Jahr besonders für Radfahrer und Inlineskater an. Der
gesamte Uferbereich zur neuen Donau wir im Sommer intensiv
als Badestrand genutzt. Durch die Konzentration der Gastronomie
und der intensiven Freizeitnutzungen an den Hauptverkehrsachsen
hat sich der mittlere Teil der Donauinsel zu einem urbanen
Freizeitbereich entwickelt. Der Nord- und der Südteil
der Donauinsel wurden dagegen naturnah ausgestaltet. Hier
dominieren Waldflächen, Wiesen, Baumgruppen und Biotope
das Landschaftsbild und ermöglichen eine naturnahe
Erholungsnutzung an den Ufern der Donau und der neuen Donau.
Stadtwald und Nationalpark
Text von TORU KOYAMA
Bei den Kirschen (sakura) handelt es sich um Laubhölzer,
die zur Familie der Rosengewächse, Gattung Prunus
gehören. Zur großen Gattung Prunus zählen
außer Kirsche u.a. auch noch Japanische Pflaume
(ume), Pfirsich (momo), Aprikose (anzu) oder Europäische
Pflaume (sumomo).
Die Kirsche ist vorwiegend in der gemäßigten
Zone der Nordhalbkugel beheimatet. Von den wildwachsenden
Arten sind in Japan neun zu finden (siehe unten), im benachbarten
China wurden rund 30 wildwachsende Arten gezählt,
die hauptsächlich in den Provinzen Sechuan und Yunnan
anzutreffen sind. Daneben wächst die Kirsche auch
in Indien, Thailand und Nepal wild.
In Japan, das eine Kultur der besonderen Wertschätzung
der Kirschblüte entwickelt hat, wurden jedoch auch
sogenannte Ziersorten kreiert. Derzeit gibt es weltweit
- wildwachsende Arten und deren Abarten sowie Ziersorten
zusammengenommen - rund 400 Kirscharten.
So groß wie die Vielzahl der Kirscharten sind auch
die Unterschiede in ihrem Aussehen. Die Baumhöhe
reicht von Arten mit über 20 Metern bis zu Arten,
die zwei bis drei Meter hoch werden. Nach der Gestalt
kann man Arten unterscheiden, deren Zweige nach oben wachsen
und Arten, deren Zweige herabhängen. Die Blüte
weist üblicherweise fünf Blütenblätter
auf, es gibt jedoch auch Arten mit achtfachen Blüten
(yaezaki) oder mit mehr als 300 Blütenblättern
(kikuzaki). Die Farbe der Blüten ist meist weiß
bis zartrosa, daneben gibt es aber auch Arten mit karmesinroten
oder gelbgrünen Blüten.
Japanische Botanische Gesellschaft
Bei der Sorte Kanzan handelt es sich um eine jener Kirscharten,
die an den Ufern des Arakawa-Flusses in Tokyo gepflanzt
wurden. Neben der Bezeichnung Kanzan ist auch noch die Bezeichnung
Sekiyama gebräuchlich. Die Zweige dieser Sorte sind
nach innen gebogen und verleihen dem Baum so eine charakteristische
Form, die an eine Trinkschale erinnert. Da es kaum Sorten
mit nach innen gebogenen Zweigen gibt, sind sie auch nach
Abfall der Blätter leicht zu unterscheiden.
Für das sakurayu genannte Getränk,
das zu feierlichen Anlässen gereicht wird, werden Blüten
der Sorte Kanzan verwendet.
Baumform: trinkschalenförmig
Baumhöhe: hoch
Blütenform: achtfach (yaezaki)
Blütenfarbe: karmesinrot
Anzahl der Blütenblätter: 20 50
Blütezeit: Ende April (in Tokyo)
Text von Dr. ROLAND DOMENIG
Seit Jahrhunderten haben japanische Dichter und Poeten die
Schönheit der Kirschblüte besungen, jener Kirschblüte,
die zum nationalen Symbol Japans geworden ist. Scharenweise
versammeln sich jedes Jahr Japaner unter den Kirschblüten,
die sie an die Vergänglichkeit des irdischen Lebens erinnern.
Vielleicht geht es gerade deshalb beim hanami, der Kirschblütenschau,
so weltlich zu es wird gegessen und getrunken, gesungen
und getanzt und gemeinsam der Augenblick genossen, der schon
bald wieder Vergangenheit sein wird. Manch einer denkt dann
vielleicht an das Haiku des Dichters Issa, der da einst schrieb:
"Welch seltsam Gefühl,
hier so am Leben zu sein,
unter den Blüten" .
Text von Mag. HARALD STEININGER
Dieser feinkörnige Granit wurde durch relativ schnelle
Erkaltung von flüssigem Magma in der Tiefe der Erdkruste
unter dem seinerzeitigen Hochgebirge des Wald- und Mühlviertels
gebildet. Dieses Gebirge war damals mit über 10 000
Metern höher als der Himalaya.
Mit 300 bis 320 Millionen Jahren stammt der Schremser Granit
aus der Steinkohlenzeit. Seither ist das alte Hochgebirge
bis auf einen Rumpf abgetragen; dadurch liegt der Granit
heute an der Erdoberfläche, wo er in Steinbrüchen
gewonnen wird.
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